English below
Hallo, wir sind heute hier vom MeeTIN* Up, einer Gruppe für trans*, inter, nichtbinäre und unentschlossene Menschen.
Einige von uns sind heute nicht hier, da sie sich nicht sicher sind, ob sie hier willkommen sind.
Die Vorbereitung auf den heutigen Tag lief gut.
Wir wurden als MeeTIN* up gefragt, was wir brauchen, um gut dabei sein zu können. Es gab mehrere vorbereitende Treffen, bei denen wir unsere Forderungen dargelegt haben (unter anderem Rückzugsräume, Awareness-Ansprechperson, die Möglichkeit, ein Empowerment-Plenum einzuberufen) und die Forderungen wurden bei der Planung berücksichtigt. So wünschen wir uns eine Organisierung in der Zukunft. Denn eine solche Ansprache auf Augenhöhe oder eine Ansprache von Personen, die feministische Räume nicht von sich aus aufsuchen, war in den letzten Jahren in Kassel nicht selbstverständlich. Und klar ist, ein solches Einbeziehen einmal im Jahr zu einer Feministischen Vollversammlung reicht nicht aus. Gerade in Zeiten, in denen trans- und queerfeindliche Argumentationen große Wellen schlagen, brauchen wir den solidarischen Support aller feministischen Gruppen und Organisationen, um Rückenwind zu haben. Wir müssen rechten, rassistischen und transfeindlichen Diskursen und Handlungsweisen gemeinsam etwas entgegenstellen.
Auch der heutige Tag zeigt, wir sind wenige trans, inter, nichtbinäre Menschen, die aktiv sind. Nicht alle wollen oder können aktiv sein.
Auch wir sind eine teilweise homogene, überwiegend weiße Gruppe und müssen Barrieren abbauen, um den Zugang zu uns zu verbessern. Alleine schaffen wir das nicht. Wir brauchen ein unterstützendes, feministisches Netzwerk, das uns Strukturen für unseren Aktivismus zur Verfügung stellt und den Zugang zu feministischen Räumen überhaupt ermöglicht. Organisiert Euch so, dass wir ein Teil sein können. Der wichtigste erste Schritt dafür: redet mit uns.
Wir merken oft, dass wir uns den Platz hier erkämpfen müssen, obwohl wir ähnliche Diskriminierungen erfahren wie endo cis Frauen und das gleiche Ziel haben. Diese Diskriminierungen sind zum Beispiel: unbezahlte und schlechter bezahlte Arbeit, sexualisierte Gewalt, kein Recht auf körperliche Selbstbestimmung, Barrieren im Gesundheitssystem und alltägliche Gewalt.
Unser Ziel ist es, das Patriarchat komplett abzuschaffen. Unser endgültiges Ziel ist es nicht, innerhalb des Patriarchats mehr Rechte zu bekommen.
Das bedeutet für uns auch, dass unser Feminismus intersektional sein muss. Das Patriarchat kann nur gemeinsam mit weißer Vorherrschaft abgeschafft werden. Wir wollen dafür von und mit unterschiedlichen Kämpfen lernen und Kämpfe verbinden, zum Beispiel Kämpfe von Frauen, Lesben, inter, nichtbinären, trans* und agender Personen, Kämpfe von Schwarzen und People of Color, Arbeiter*innenkämpfe, Kämpfe von Be_hinderten Aktivist_innen, die Kämpfe der Klimagerechtigkeitsbewegung und viele mehr.
Ein konkreter Wunsch ist ein leichterer Zugang zu Räumen. Wir denken, dass heute viele Menschen fehlen, die am meisten unter dem Patriarchat ausgebeutet werden und Mehrfachdiskriminierungen erfahren. Unsere Leitfrage sollte sein: wie können wir uns organisieren, sodass genau FLINT Personen of Color, die in prekären Verhältnissen arbeiten und Kinder, Alte be_hinderte/chronisch Kranke versorgen, sich an der Organisierung der FemVV der nächsten Jahre beteiligen oder sich mehr vertreten sehen? Was müssen unsere Forderungen sein bzw. wen wollen wir in den nächsten Jahren ansprechen und welche Orte suchen wir dafür auf? Wo können wir uns noch mehr mit mehrfachmarginalisierten Menschen solidarisch zeigen?
Politische Kämpfe finden nicht nur in einer radikalen, sichtbaren Organisierung statt. Auch unsere Alltagskämpfe sind politisch. Besonders da vergeschlechtlichte Ausbeutung und Gewalt zu einem großen Teil im sogenannten „privaten“ Bereich stattfinden. Der Widerstand dagegen ist auch Feminismus. Wir fordern, diesen Alltagskämpfen mehr Raum zu geben.
Konkrete Wünsche an den heutigen Tag und an feministische Bewegungen in Kassel: Wir wollen eine starke Allianz und Verbündetenschaft. Wir wollen unsere Anwesenheit hier nicht erklären oder rechtfertigen, sondern uns auf unser gemeinsames Ziel konzentrieren: das Patriarchat/Zweigeschlechterwelt abzuschaffen.
English:
Hello, we are here today from MeeTIN* Up, a group for trans*, inter, non-binary and undecided people.
Some of us are not here today because they are not sure if they are welcome.
The preparation for today went well. We were asked as MeeTIN* Up what we need to feel comfortable here. There were several preparatory meetings where we laid out our demands (including retreat spaces, an awareness contact person, the possibility of doing an empowerment plenary) and the demands were taken into account in the planning. It can be as simple as that. This is how we would like to see organizing in the future.
In recent years such an approach at eye level or an approach of people who do not seek out feminist spaces of their own accord was not something natural in Kassel. And it is clear that such inclusion once a year at a Feminist Assembly is not enough. Especially in times when trans- and queer-misic arguments are becoming stronger, we need the solidary support of all feminist groups and organizations. We have to oppose right-wing, racist and cissexist discourses and actions.
Also today shows, we are few trans, inter and non-binary people who are active. Not all of us want to or can be active.
We are also a partially homogenous, predominantly white group and need to break down barriers to be more accessable. We can’t do this alone. We need a supportive feminist network that provides structures for our activism and access to feminist spaces in the first place. Organize in a way that we can be a part of it. The most important first step to this: talk to us.
We often realize that we have to fight for the space here, even though we experience similar discriminations as endo-cis women and have the same goal. These discriminations are for example: unpaid and lower paid work, sexualised violence, no right to bodily self-determination, barriers in the health system and everyday violence.
Our goal is to completely abolish patriarchy. Our ultimate goal is not to get more rights within patriarchy.
For us, this also means that our feminism must be intersectional. Patriarchy can only be abolished together with white supremacy. To do this, we want to learn from and with different struggles and connect struggles, for example, struggles of women, lesbians, inter, non-binary, trans* and agender people, struggles of Black people and People of Color, workers‘ struggles, struggles of dis_abled activists, the struggles of the climate justice movement and many more.
One concrete wish is easier access to spaces. We think that today many people are not here, who are most exploited under patriarchy and experience multiple discriminations. Our guiding question should be: how can we organize so that precisely FLINT people of color who work in precarious conditions and care for children, the elderly, the dis_abled, or the chronically ill participate in organizing the Feminist Assembly of the next few years or see themselves represented more? What must be our demands or who do we want to address in the coming years and which places do we seek out for this? Where can we show more solidarity with multiple marginalized people ?
Political struggles do not only take place in radical, visible organizing. Our everyday struggles are also political. Especially since gendered exploitation and violence often take place in the so-called „private“ sphere. Resistance to this is also feminism. We demand that more space be given to these everyday struggles.
Concrete wishes for today and for feminist movements in Kassel: We want a strong alliance and allyship. We don’t want to explain or justify our presence here, but to focus on our common goal: to abolish patriarchy and with it the binary genders.